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"Chaos ist die Regel"
- Rezension |
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bei Amazon)
Aufbau und Inhalte
Das Buch ist in vier Teile gegliedert. In jedem Teil werden umfangreiche
Fallbeispiele von Unternehmen aufgeführt (Sears, Monsanto,
HP u.a.). Im ersten Teil geht es um die Bedrohung durch ein zu lange
bestehendes Gleichgewicht (z.B. immer gleiche Produkte und Vertriebswege)
in Unternehmen. Teil 2 behandelt, wie Unternehmen am Rande von internen
"chaotischen" Prozessen einerseits in Gefahr gebracht
werden, aber andererseits auch ganz neue, quasi "evolutionäre"
Prozesse auftreten. Eine wichtige Rolle speilen dabei "Attaktoren",
in diesem Zusammenhang sind das meist übergreifende, die Mitarbeiter
motivierende Visionen. In Teil 3 wird beschrieben, wie sich lebende
Systeme nach einer Störung neu organisieren und dabei Strukturen
bilden (Emergenz). Teil 4 listet praxisbezogen den Ablauf einer
unternehmerischen Neuausrichtung nach diesem Modell auf.
Einschätzung des Buches
Das Buch liefert einen extrem wichtigen Beitrag zur Theorie der
Veränderung komplexer Systeme. Der Blick auf ein soziales System
wird stark verändert. Insofern ist es eigentlich jedem, der
mit Veränderungen zu tun hat, sehr zu empfehlen.
Nachteilig ist etwas die Länge des Buches, einige Punkte wiederholen
sich. Manchmal ist die Argumentation auch nicht ganz schlüssig,
es wird nicht genügend beachtet, dass sich komplexe Systeme
auch im negativen Sinn des Wortes chaotisch entwickeln können
und darin auch Gefahren bestehen. Zudem sind die Beispiele am Anfang
noch zu sehr von der Internet-Blase geprägt (die amerikanische
Originalausgabe ist 2000 erschienen), im Verlaufe des Buches legt
sich das aber.
Christian Hemschemeier
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Richard T. Pascale, Mark Millermann, Linda
Gioja, Martin Herrmann (2002): Chaos ist die Regel. Wie Unternehmen
Naturgesetze erfolgreich anwenden.
(München:) Econ. 303 Seiten. 29,90 €.
Zum Thema des Buches
Vielen Veränderungsmodellen im sozialen bzw. wirtschaftlichen
Bereich liegt letztlich das "Maschinenmodell" aus dem
19. bzw. 20. Jahrhundert zugrunde. Die Idee dabei ist, dass durch
Kontrolle der "richtigen" Stellschrauben sich der gewünschte
Erfolg quasi von selbst einstellt (z.B. Kostendämpfungsprogramme,
total quality management etc.). Tatsächlich stellt sich der
Erfolg aber erschreckend häufig eben nicht ein, wie die vielen
gescheiterten Fusionen zwischen Unternehmen zeigen.
In neuerer Zeit gewinnen daher immer mehr Modelle der Chaostheorie
an Bedeutung. Hier ist die Annahme, dass es letztlich derart viele
Einflussfaktoren gibt, dass sich das Ergebnis definitiv nicht voraussagen
lässt. Ein Beispiel ist die Klimaentwicklung, aber auch für
lebende Systeme gilt dieses (beispielsweise ein Ameisenhaufen).
Doch chaotische Systeme folgen durchaus übergeordneten Gesetzmäßigkeiten,
wenn diese Systeme länger bestehen. So bilden sich teilweise
spontan neue Ordnungen bzw. Muster heraus (sogenannte Emergenzen).
Lebende Systeme entwickeln sich meistg um so erfolgreicher, je mehr
sie heraus gefordert werden.
Die Autoren übertragen diese Modelle nun auf die Unternehmensentwicklung.
Eine zunächst überraschende Schlussfolgerung daraus ist,
dass ein lange bestehendes Gleichgewicht mit Stillstand gleich zu
setzen ist und ein Vorbote des Endes eines Unternehmens sein kann.
Über die Autoren
R.T. Pascale hat sich mit anderen Veröffentlichungen (z.B.
"The Art of Japanese Management") bereits einen Namen
in der Business-Literatur gemacht. Er und seine amerikanischen Mitautoren
M. Millermann und L. Gioja sind als Organisations- bzw. Unternehmensberater
tätig.
M. Herrmann arbeitet ebenfalls als Berater. Er steuert ein letztes
Kapitel des Buches mit einem deutschen Fallbeispiel bei (Werk Augsburg
der EADS).
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